Phase 4: Alltagsphase

1. Definition Alltagsphase

Diese Phase beschreibt, wie es in einem guten Unternehmen sein sollte. Jeder macht seine Arbeit. Jahr für Jahr wird etwas mehr als im Vorjahr erwirtschaftet. Die Auftragslage ist zufriedenstellend. Das Überleben des Unternehmens ist gesichert. 

2. Grafik

Die Grafik ist leicht zu interpretieren: Über mehrere Zeiteinheiten (Wochen, Monate) hinweg verbesserst sich die Lage des Unternehmens.

Trotzdem müssen tagtäglich Entscheidungen getroffen werden, um entweder noch mehr produzieren zu können oder nicht in eine Phase von geringerer Produktion zu fallen. Es hört sich relativ einfach an, jedoch erfordert diese Phase bereits ein gewisses Maß an Geschick, damit die Dinge weiterhin gut laufen. 

3. Mögliche Ursachen

  • Die Führung des Unternehmens ist gut, harte oder verzweifelte Maßnahmen werden vermieden. 
  • In allen Abteilungen wird gut gearbeitet.
  • Die Beziehungen zu Kunden, Lieferanten u. a. sind freundlich.
  • Rechtsstreitigkeiten geht man aus dem Wege.

4. Management-Formel

Schritt 1:

Verändere nichts!

Schritt 2:

Der Führungsstil ist eher als mild zu bezeichnen. Vermeide Maßnahmen, auch in rechtlicher Hinsicht, welche sich äußerst negativ auf das Betriebsklima auswirken.

Schritt 3:

Verbessert sich die Produktion, auch nur geringfügig, ist herauszufinden was der ausschlaggebende Impuls hierfür war. Bei der Änderung von Vorgehensweisen wird dringend davor gewarnt, von alten Wegen abzugehen.

Schritt 4:

Verschlechtert sich die Produktion, auch nur geringfügig, ist herauszufinden, was der Grund hierfür war. Abhilfe ist zu leisten.

5. Häufige Fehler bei der Umsetzung

In dieser Phase kann sehr viel falsch gemacht werden.

  • Zunächst wird empfohlen nichts zu verändern, weil alles “normal” läuft. In der Praxis ist häufig zu beobachten, dass genau in dieser Phase Führungskräfte Experimente wagen. Es so viele Beispiele, dass es den Rahmen sprengen würde, diese zu erwähnen. Daher lediglich ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist.

Beispiel

Eine Bäckerei stellt in großen Mengen Teigwaren her und beliefert neben Endkunden auch Zwischenhändler. Um den Gewinn des Unternehmens weiter steigern zu können, wird von der Geschäftsleitung beschlossen, ab sofort eine billigere Zutat (Mehl) zu verwenden.

Rein rechnerisch ergeben sich dadurch enorme Kosteneinsparungen. Diese Entscheidung hat sich jedoch gerächt, weil die Produktion feststellte, dass das billige Mehl die Qualität der Teigwaren verschlechtert. Die Produktion musste sofort umgestellt, das billigere Mehl konnte nicht mehr aufgebraucht und Kunden mussten für die Qualitätseinbußen entschädigt werden.

Besser wäre gewesen, wie in Schritt 3 empfohlen, vorzugehen. Konkret: Verwendung der alten Zutat und lediglich einen Test mit neuem Mehl für etwa 5-10 % des Produktionsvolumens durchzuführen. Dies entspricht einer alten Managementweisheit: “Never change a running system!” (“Verändere niemals ein funktionierendes System!”).

  • Bei Schritt 1 ist aber auch gemeint, dass der Umgang mit Fehlern etwas milder gehandhabt wird. Die Betonung liegt darauf, das Arbeitsklima auf einem guten Niveau zu halten.
  • Ebenso bedeutet nichts zu verändern, tatsächlich keine Änderungen vorzunehmen. Die Ausgaben für Werbung dürfen nicht reduziert werden.
  • Im Alltag kommt eine besondere Schwierigkeit in dieser Phase dazu: Es werden Änderungen vorgenommen, aber es wird nicht dokumentiert, was geändert wird (siehe Spezialwissen – Punkt 5). Die Verschlechterung des Ergebnisses kann teilweise erst mehrere Monate später sichtbar werden. In diesem Falle wissen die Verantwortlichen meistens nicht mehr, welche Veränderungen vorgenommen worden sind.
  • Oft werden auch mehrere Änderungen in unterschiedlichen Abteilungen veranlasst, so dass trotz langem Nachdenkens nicht mehr ermittelbar ist, was eventuell der Ausschlag für die Negativentwicklung ist. Dies gilt gleichermaßen auch für eine positive Veränderung im Betriebsergebnis.